Pra de la Fam in Tignale, eine weltweit einmalige Architektur

Pra de la Fam in Tignale, eine weltweit einmalige Architektur

Die Westküste des Gardasee, insbesondere zwischen Limone und Salò, zeigt noch heute die Zeugen einer besonderen architektonischen Leistung, die aus den sogenannten Limonaie, den Überresten der Zitronengärten besteht. Früher wurden diese Fragmente in den Wintermonaten in riesige Gewächshäuser verwandelt, weil die Zitrusfrüchte sehr frostempfindlich sind und der Gardasee für sich beansprucht, das nördlichste Zitronenanbaugebiet der Welt zu sein und normalerweise für den Anbau dieser Früchte nicht geeignet ist.

Limonaia Pra de la Fam
Das Zitronengewächshaus auf dem Gemeindegebiet von Tignale befindet sich direkt an der Westuferstraße. Es wird berichtet:

Zitat:"Der bereits zur Römerzeit bekannte Anbau von Zitrusfrüchten am Westufer des Gardasees wurde am Ende des 18. Jahrhunderts durch Neuerungen agrartechnischer Art intensiv gestaltet. Dabei wurden große Galerien errichtet, um die Bäume im Winter vor Frost zu schützen. Somit wurde ein künstliches Klima geschaffen, um den Zitronenbäumen eine ganzjährige Reife zu ermöglichen. Dabei bildeten die natürlichen Felswände die Seiten- und Rückbegrenzungen, während die Vorderseite zum See geöffnet war. Der Zitronenanbau am Gardasee hatte seine Blüte in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts." Zitat Ende.

Der Autor lädt nun zu einem Spaziergang in das Zitronengewächshaus "Pra de la Fam" in Tignale ein:

Da sich diese Anlage an einem steilen Hang befindet, wurden seinerzeit mehrere Terrassen gebaut. Auf den hohen Steinsäulen errichteten die Menschen Balken, die in den Wintermonaten eine solide Tragkonstruktion für die Bretter bildeten, um so die Limonala vor dem Frost zu schützen. Das große Gewächshaus war im Winter immer verschlossen und der Zugang erfolgte durch eine Holztür, denn die Kulturen mussten ständig kontrolliert werden.

Die an der Vorderseite gestapelten großen Glasfenster waren vertikal befestigt, um Licht in das Gewächshaus einfließen zu lassen. Die dahinter befindlichen Bretter fungierten seinerzeit als Deckel und werden bis heute genutzt. Die hölzernen Riegel wurden damals über das gesamte Dach verspannt und die Abdichtung erfolgte mit Heu.

Heute werden die empfindlichen Pflanzen im Winter durch ein modernes Belüftungssystem geschützt, das auch in kalten Nächten warme Luft einbläst.

Um den ersten Nachtfrösten zu begegnen, wurden ab Mitte November kleine Schüsseln an mehreren Stellen der Gärten aufgestellt, die mit Wasser gefüllt waren. Wenn sich eine Eisschicht bildete, wurden die Limonaie abgedeckt, sowie geschlossen und die empfindlichen Zitronenbäume konnten überwintern.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts fielen die Gärten dem Verfall zum Opfer, weil sich die wirtschaftliche Situation veränderte und die Anbauregion Gardasee keine wirtschaftliche Zukunft mehr hatte.

Um die alte Tradition wieder aufleben zu lassen, wurden einige Zitronengärten wieder instandgesetzt und neue Zitronenbäume gepflanzt.

An der Stirnseite der "Pra de la Fam" befinden sich flache Steine, die dem Besucher ins Auge fallen.

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